Geburtsvorbereitungskurs: Teil 1 – Die Geburt


Geburtsvorbereitung Tag 1Vergangenes Wochenende haben wir nun auch endlich auch unseren Geburtsvorbereitungskurs besucht. Der Kurs wurde auch durch die Hebammengemeinschaft im Kriechbaumhof organisiert. Gesamtkosten für beide Tage lagen bei 105,00 EUR, wobei allein für meinen Partner 95,00 EUR fällig wurden. Der Kurs wurde von der freiberuflichen Hebamme Eli Pechlivanidou durchgeführt, die uns gleich zu Anfang darüber informierte, dass Tag 1 der Geburt gehört und Tag 2 dem Wochenbett.

Los ging es um 09 Uhr mit einer allgemeinen Vorstellungsrunde, bei der sich jeder anhand einer vorher gewählten Postkarte kurz vorstellen sollte und einen Einblick gibt, wie er sich fühlt und was er vom Kurs erwartet. Hier kam schon die erste Erkenntnis: Bei einem Großteil kam die Schwangerschaft überraschend, wenn nicht sogar ungeplant. Der Großteil war nicht verheiratet und zwei Paare sprachen offen an, dass sie sehr lange gebraucht haben, die Schwangerschaft zu akzeptieren. Ein Paar hatte laut eigener Aussage auch jetzt noch ein Fremdeln gegenüber der Schwangerschaft und dem Baby. Für mich schwer nachzuvollziehen, aber meine persönliche Situation ist sicher auch eine ganz andere.

Zurück zum Kurs: Nach dem sich alle vorgestellt hatten, ging es dann auch gleich an die Infos. Hebamme Eli kombinierte Theorie mit Praxis und schaffte es, das eher unangenehme Thema „Geburt“ sehr liebevoll rüberzubringen und mir auch etwas die Angst vor der Geburt zu nehmen. Zwar habe ich schon einiges über die Geburt gelesen, welche Phasen es gibt, aber so richtig vorstellen konnte ich es mir nicht. Bis vor kurzem gab es für mich nur die Kreißsaaltür und wenn ich die durchschreite, dann ist nur Chaos, Hektik und das Anwenden von irgendwelchen Atemtechniken angesagt. Doch Eli hat mir einige Erkenntnisse vermittelt:

Erkenntnis #1: Wehen sind nicht die Feinde der Schwangeren Als kleines Kind habe ich immer gedacht, es ist die Pflicht jeder Frau, Kinder auf die Welt zu bringen. Das es ein Prozess ist, den die Natur vorgesehen hat und nichts und niemand kann sich dem entziehen. Meine Mutter hat zudem immer gesagt, wie schlimm und grauenvoll eine Geburt ist und was für Schmerzen sie hatte. Scheinbar hat mich das als Kind traumatisiert und seitdem war die Geburt für mich gleich dem Jüngsten Gericht für Strenggläubige. Hinzu kam, dass ich immer wieder Horrorgeschichten von Geburten gehört oder gelesen habe und mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft nimmt das ja nicht ab, sondern leider eher zu. Irgendwer kennt immer irgendwen, der 56 Stunden in den Wehen lag und dann doch einen Not-Kaiserschnitt bekam oder das Klinikpersonal nicht wusste, was zu tun war.

Summa Summarum war für mich klar: Wenn die Wehen einsetzen, beginnt der absolute Horror und ich werde nur noch schreien und darum beten, sterben zu dürfen. Vielleicht hat schon der Freitag im Kreißsaal den Grundstein gelegt, aber der Samstag hat mir noch mal deutlich gemacht: Wehen tun weh, ja, aber sobald sie einsetzen, fängt der Körper an zu arbeiten und zwar für mich und nicht gegen mich. Jede Wehe, jeder Schmerz sorgt dafür, dass das Kind weiter Richtung Freiheit geschoben wird und jede Wehe, die einmal aufgetreten ist, kommt nie wieder. Es kommen neue Wehen, aber die, die ich einmal durchgemacht habe, sind Vergangenheit und ich der Geburt meines Sohnes einen Schritt näher.

Erkenntnis #2: Ich kann den Verlauf der Geburt mitbestimmen

Natürlich kommt es auf die äußeren Umstände an, im besten Fall durchlaufe ich aber den ganz normalen Geburtsablauf mit Eröffnungsphase, Übergangsphase, Austreibungsphase sowie der Nachgeburtsphase. Sollte die Geburt losgehen, kann ich zum Glück in die Klinik laufen und mich in die Obhut der Hebammen und Ärzte begeben. Wie ich am Freitag mitbekommen habe, war der Kreißsaal relativ leer und die Hebammen überhaupt nicht gestresst, was mich schon mal sehr erleichtert hat. Ich weiß nun, dass ich erst an den CTG angeschlossen werde, mich danach ein Arzt kurz untersucht und ich mich dann wohl bewegen sollte, um die Wehentätigkeit anzuregen. Im Kurs haben wir verschiedene Positionen gezeigt bekommen und ausprobiert, die uns bei etwas Entspannung helfen sollen – auch in der heißen Phase. Ich kann selbst entscheiden, was ich machen möchte: Ob Peziball, Sprossenwand oder einfacher Vierfüßler-Stand – ich kann alles ausprobieren und niemand wird mich hetzen. Dazu haben wir Entspannungsübungen gemacht, die eine geregelte Atmung ermöglichen sollen.

Evi hat uns gesagt, dass der Kopf eine tragende Rolle spielt, der Körper wisse was zu tun ist, aber bei vielen Frauen wird die Geburt schwierig, weil sie zu viel denken, sich Sorgen machen oder sich gar gegenüber der Hebamme oder dem Partner schämen, für das, was gerade passiert. Ich selbst gehöre auch zu denen, die schnell eine Barriere im Kopf haben und für die so eine Geburt dadurch sehr anstrengend werden könnte. Dank des Kurses kann ich mich jetzt schon auf die Geburt vorbereiten, mir immer wieder sagen, dass es schmerzhaft werden kann, aber das am Ende das Beste in Form eines kleinen, schreienden Babys auf mich und meinen Partner warten wird.

Als mir am Freitag mein Blut abgenommen wurde, steckte eine Ärztin ihren Kopf ins Behandlungszimmer und meinte, dass „in Kreißsaal 2 das Kind gleich kommt“. Mein Freund meinte während des Wartens, das die gebärende Frau schon sehr fertig geklungen hat, während sie vor sich hin stöhnte – ich selbst habe sie nicht gehört. Circa eine Stunde später wurde die Frau mit ihrem Kind vom Kreißsaal in die Wochenbettstation verlegt. Als sie im Krankenbett am Wartezimmer vorbei fuhr, sah sie einfach nur entspannt und glücklich aus, fragte die Hebamme aus und wirkte nicht wirklich, als hätte sie noch vor knapp einer Stunde völlig erschöpft gestöhnt.

Vielleicht ist wirklich was dran, wenn Frauen sagen, dass die Freude über das Kind alle Schmerzen vergessen macht. Ich werde auf jeden Fall immer wieder vor Augen die durchlebten Wehen wegstreichen und mir immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass der Körper mich und das Baby bei der Geburt unterstützt.

Erkenntnis #3: Im Kreißsaal ist niemand allein Gerade für Frauen wie mich, die Gefahr laufen, dass der Kopf und ständige Bedenken und Vorbehalte die Geburt erschweren könnten, ist es wichtig zu wissen, dass man im Kreißsaal nie allein ist. Das gilt nicht nur für die reine Anwesenheit von Partner und Hebamme, sondern auch für ihre mentale Unterstützung. Evi erzählte uns, dass gute Hebammen sehr genau spüren, wenn die Frau Blockaden hat und sich schämt „AAAA“, „OOOO“ oder „UUUU“ Töne beim Atmen zu äußern. Dann würde die Hebamme einfach mitmachen und den Partner auffordern, alles mitzumachen. Frei nach dem Motto: Wenn schon peinlich, dann bitte für alle im Raum. Mir würde das sehr helfen, wenn ich nicht die einzige wäre, die sich vorkommt, wie der Vollhorst 🙂 Das waren jedoch nur meine persönlichen Erkenntnisse, gepaart mit ein paar Infos rund um den Ablauf der Geburt fühlte ich mich nach dem Samstag deutlich sicherer als noch vor ein paar Tagen oder Wochen. Neben diesen drei Erkenntnissen habe ich noch folgendes mitgenommen:

  • Bei Unsicherheit ob es losgeht, lieber in der Klinik anrufen – Freitag hab ich das ja schon mal getestet 🙂
  • Frauenärztin oder Hebamme ab der 36. SSW immer fragen, ob das Kind schon fest im Becken liegt, dass kann bei einem Blasensprung entscheidend sein, ob man noch in die Klinik laufen kann oder ob ein Liegendtransport mit Krankenwagen notwendig ist
  • Die verschiedenen Geburts- bzw. Entspannungspositionen zuhause immer mal wieder mit dem Partner oder allein üben, damit sie dann in der Stresssituation im Kreißsaal für Entlastung sorgen und man nicht überlegen muss, wie die Position nun ging
  • Klinikkoffer rechtzeitig (ca. 34 SSW) packen
  • Dinge die zur Entspannung beitragen, wie Musik oder persönliche Sachen einfach mit in den Koffer packen. In unserer Klinik können wir beispielsweise unsere Musik mitbringen.
Unterlagen zum Geburtsvorbereitungskurs

Unterlagen zum Kurs

Ich empfehle jedem einen Geburtsvorbereitungskurs, da ich glaube, dass es nicht nur um die Vermittlung von Wissen geht. Unser Kurs war sehr interaktiv und jeder konnte seine Fragen stellen, zudem ist es natürlich gerade für Paare, die das erste Mal Eltern werden, sehr nützlich von den Erfahrungen der Hebamme zu profitieren, gleichzeitig aber auch zu sehen, wie andere Paare ticken, welche Sorgen oder Ängste sie haben.

Das der Partner dabei ist, finde ich sehr schön, aber ich denke es ist kein Muss. Für mich war es wichtig, dass mein Freund dabei war, denn er hat in den wenigen Stunden einen guten Einblick in das komplexe Thema Geburt erhalten und weiß nun auch, was ihn erwartet und wie er mich unterstützen kann.

Und bevor ich es vergesse: Ein paar Unterlagen gab es natürlich auch noch dazu. 🙂

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