Geburtsvorbereitungskurs: Teil 2 – Das Wochenbett


Nach dem wir am Samstag im Geburtsvorbereitungskurs das Thema Geburt durchgesprochen hatten, widmete sich Hebamme Eli am Sonntag dem Thema Wochenbett.

Doch bevor unser illustrer Gesprächskreis startete, zeigte uns Eli noch den Anfang von dem Dokumentarfilm „Der erste Schrei“. Der Film befasst sich eingehend mit dem Thema Geburt und zeigt, dass trotz der kulturellen Unterschiede weltweit die Geburt an sich immer gleich abläuft und im Idealfall immer ein kleines schreiendes Etwas am Ende rauspurzelt. Wir haben uns abends den Film zuhause in voller Länge angesehen und er war wirklich sehr toll und hilft sehr dabei, sich der Geburt noch mehr anzunähern.

Doch zurück zum Tag 2, der dem Wochenbett gehörte. Einen ganz großen Bereich nahm das Thema Stillen ein und so bot es sich an, dass wir mit einem Film begannen, der sich mit dem Stillen und der Bedeutung von frühem Kontakt zwischen Mutter und Baby befasste. Obwohl der Film aus den 90ern ist, hat er aus meiner Sicht an seiner Aktualität nichts verloren. Noch in den 80er Jahren war es normal, die Babys gleich von der Mutter zu trennen. In Norwegen durften die Mütter die ersten 24 Stunden ihr Kind nur durch die Glastüre sehen und die Kinder somit auch nicht stillen.

Heute ist das zum Glück anders und ich glaube es gibt in Deutschland kein Krankenhaus, was nicht da Bonding praktiziert, den sofortigen Körperkontakt zwischen Neugeborenem und Mutter gleich nach der Geburt.

Auch Eli vertritt die Ansicht, dass nichts am Anfang wichtiger ist, als der sehr intensive Kontakt zwischen Baby und Mutter. Gerade in den ersten vier Wochen ist diese Bindung nehmen der Atmung und der Nahrungsaufnahme für das Baby und die weitere Entwicklung lebensnotwendig. Sie empfiehlt uns auch nicht nur den Körperkontakt, sondern vor allem auch den Hautkontakt, d. h. ruhig in der Wohnung auch mal oben ohne rumlaufen und das Baby die Haut der Mutter spüren zu lassen.

Der intensive Kontakt soll sich zudem positiv auf das Stillen auswirken, was ich stark hoffe, denn vor nichts habe ich mehr Angst, als wenn es mit dem Stillen nicht klappt. Ich sehe mich schon vor YouTube sitzen und Lehrvideos für das Stillen studieren. Mit dem Stillen ist es wohl wie mit Radfahren oder Schwimmen: Theorie ist das eine, die Praxis eine ganz andere. Aber wie bei den anderen beiden Dingen, ist wohl auch Stillen vor allem eine Frage der Technik. Ich hoffe das ich im Rechts der Isar Unterstützung von Schwestern und Hebammen bekomme und sie gerade am Anfang zeigen, wie man es richtig macht. Auch wenn Eli das im Kurs super erklärt hat und wir verschiedene Stillpositionen getestet haben, bin ich doch über jede Unterstützung froh. 🙂

Der zweite Tag befasste sich jedoch nicht nur mit Stillen, sondern auch mit der Babypflege und dem Tragen des Babys. Hier also die wichtigsten Erkenntnisse, die ich am Sonntag mitgenommen habe:

Erkenntnis #1: Bonding

  • Von Anfang wert auf engen Kontakt mit dem Baby legen, d. h. das Baby regelmäßig zu berühren, durch die Gegend tragen und mit ihm kuscheln
  • Körperkontakt und Hautkontakt sind sehr wichtig, d. h. soviel wie möglich „oben ohne“ mit dem Baby durch die Wohnung laufen
  • Die ersten zwei Wochen als „Babyflitterwochen“ nutzen. Die Zeit so freihalten, dass sich die kleine Familie intensiv miteinander beschäftigen kann. Zur Not müssen Freunde & Verwandte sich eben zwei Wochen gedulden oder die Besuchszeit auf ein Minimum reduzieren
  • Gerade die erste Zeit sollte ruhig und langsam angegangen werden, damit sich alle aneinander gewöhnen können

Erkenntnis #2: Stillen

  • Gleich von Beginn an Stillen, auch wenn es anstrengend ist und das Kind immer wieder einschläft oder die Milch nicht richtig einschießt
  • Das Baby trinken lassen, sobald es durch Suchen anzeigt, dass es Durst hat. Das Baby findet mit etwas Hilfe selbst zu den Brustwarzen, da diese in der Schwangerschaft dunkler geworden sind und sich damit vom Körper abheben
  • Bei Problemen mit dem Stillen immer die Hebamme um Rat fragen
  • Immer beide Brüste abwechselnd anbieten, um einen Milchstau in einer Brust zu vermeiden
  • Um nicht den Durchblick zu verlieren, bindet man sich einfach immer ein Haargummi um das Handgelenk, wo man zuletzt gestillt hat. Wird mein erster Haargummi als Kurzhaarige 😉
  • Bei Milchstau hilft Quark oder Weißkohl, der auf die Brust geschmiert bzw. gelegt wird
  • Das Baby braucht am Anfang Zeit und kann nicht innerhalb von 15 Minuten gestillt werden. Eli meinte, wir sollten bis zu 40 Minuten einplanen
  • 10 Stunden am Tag werden wir laut Eli mit Stillen verbringen
  • Wenn das Baby zu viel schläft und nur alle 4 – 5 Stunden an die Brust möchte, dann muss es alle 2 Stunden geweckt werden, da es sonst zu viel Zeit verliert und Probleme mit der Gewichtsentwicklung bekommt
  • Auf bequeme Haltung achten und schauen, dass das Baby den Kopf nicht drehen muss, um an die Brust zu kommen
  • Das Ausprobieren von mehreren Stillpositionen (Rückengriff, Wiegegriff, Stillen in der Seitenlage oder Hoppe-Reiter-Sitz) – was ich als besonders hilfreich empfand

Erkenntnis #3: Babypflege

  • Wie der Wickelgriff funktioniert und man Windeln wechselt habe ich an diesem Tag gelernt
  • Das Kind möglichst schnell aus- und wieder anzuziehen hat bei der Puppe, die sich nicht wehren konnte eigentlich super geklappt
  • Feuchttücher und Puder gehören nicht zur guten Ausstattung für Babies. Für unterwegs können statt der Feuchttücher auch spezielle Wattepads für Baby mit Mandel- oder Calendulaöl getränkt und damit der Windelbereich sauber gemacht werden.
  • Das Baby immer komplett abtrocknen, auch in den kleinen (süßen) Speckfalten, um Entzündungen zu vermeiden
  • Ab und an kann das Baby auch mal eine Weile nackt bleiben, damit gerade der Windelbereich gut durchlüftet wird
  • Babys sollten erst in die Wanne, wenn die letzten Reste der Nabelschnur weg sind
  • Das Wasser für die Wanne sollte mindestens 38 Grad haben, die Wanne sollte sicher und bequem für die Mutter stehen, d. h. entweder auf dem Küchentisch, dem Fußboden oder auf einem speziellen Gestell. Die Babywanne in die normale Wanne zu stellen, wird für die Zeit des Badens sehr unbequem für die Mutter
  • Vor dem Baden sollte die Mutter ein großes Handtuch über den eigenen Oberkörper legen, damit das Baby nach dem Baden direkt eingewickelt werden kann
  • Beim Baden das Baby zuerst ans Wasser gewöhnen, d. h. mit den Beinchen zuerst, es auch kurz planschen lassen und dann langsam ins Wasser setzen, dabei das Baby immer mit der Hand am Rücken abstützen. Wir haben uns einen speziellen Einsatz für die Babywanne gekauft, auf dem das Baby ruhig liegen kann, aber ich denke es geht auch ohne
  • Wer keine Babywanne hat, kann das alles auch im Waschbecken machen
  • Das Wasser sollte entweder klar sein, d. h. ohne Schaumbad, alternativ können auch ein paar Tropfen Muttermilch mit ins Wasser gegeben werden
  • Der Kopf wird zuletzt gewaschen (immer das Wasser am Hinterkopf runter laufen lassen), da über den Kopf die meiste Wärme verloren geht
  • Babys lieben Massagen, hier dann einfach nach der Wanne ein paar Tropfen Öl in den Handflächen verteilen und danach das Baby massieren

Erkenntnis #4: Babytransport

  • Natürlich haben wir auch die verschiedenen Möglichkeiten geübt, wie ein Baby hochgehoben wird
  • Wichtig ist immer, dass der Kopf nie nach hinten fallen kann, warum Babies in der ersten Zeit immer seitlich hochgehoben werden
  • Wer wollte, konnte auch das Wickeln von einem Tragetuch ausprobieren. Wir haben für uns schon beschlossen, dass wir wohl einen Manduca nehmen werden, denn ich denke bei einem selbstgewickelten Tragetuch immer an die Hebamme aus einem der vielen Informationsabende, die meinte: Stellen Sie sich vor, sie stehen bei strömenden Regen auf dem Parkplatz und versuchen ein Tragetuch von 3 Meter Länge um Ihren Körper zu wickeln

Broschüren zum KursNeben diesen Basics gab es natürlich noch viele Tipps und Tricks von Evi. Zudem konnten wir uns Still-BH, Pumpen, Schnullern, Windeln und viele weitere nützliche Utensilien anschauen, anfassen und Evi noch zu verschiedensten Themen löchern.

Als Fazit kann ich nur sagen, dass sich die zwei Tage voll und ganz gelohnt haben. Ich kann nur jedem, der die Möglichkeit hat, ans Herz legen, so einen Kurs zu besuchen. Auch wenn es ohne ihn auch gehen würde, so beruhigt so ein Kurs doch ungemein und schafft Transparenz und Sicherheit bezüglich Geburt und Wochenbett. 🙂

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