Meine Odyssee mit dem Stillen


Diese Woche war die Weltstillwoche. Der ideale Zeitpunkt sich im Blog mit dem Thema Stillen zu befassen. Mittlerweile weiß jede Schwangere und jede Mutter das Muttermilch das beste für das eigene Baby ist und jede, sofern sie kann, das Baby so lang wie möglich stillen sollte.

Auch ich stille meinen Kleinen und finde es super praktisch. Bis ich aber soweit war, den Kleinen auch mal in einem Cafe oder im Biergarten zu stillen, sind einige Wochen vergangen.

Aller Anfang ist schwer

Bild-WeltstillwocheDas Thema Stillen wurde zwar im Geburtsvorbereitungskurs angesprochen und wir haben dort auch die Stillpositionen geübt, allerdings hatte ich mich vor der Geburt nicht so eingehend mit dem Thema beschäftigt, weil ich von allen gehört habe, dass das Stillen ja automatisch geht. Hätte ich gewusst, wie mühsam und teilweise schmerzhaft das Stillen am Anfang sein könnte, hätte ich mich wohl intensiver mit dem Thema beschäftigt.

Sofort nach der Geburt meines Sohnes habe ich ihn angelegt und der Kleine hat gleich gecheckt wie es funktioniert und sofort mit saugen begonnen. Auch die Zeit auf der Wochenbettstation habe ich ständig gestillt. Eben immer dann, wenn Bedarf da war und der war gefühlt ständig da. Ich habe fast jede Stunde gestillt, aber der Kleine wurde nicht satt. Durch das exzessive Stillen wurden meine Brustwarzen wund und das Stillen wurde eine schmerzhafte Angelegenheit – auch nachdem ich von den Schwestern Stillhütchen, Kühlpads und Salbe bekommen habe.

Obwohl ich den Kleinen immer stillte, verlor er mehr an Gewicht und auch die Gelbsucht, an der er litt, verschlechterte sich und der Bilirubin-Wert stieg stetig an, weswegen wir nach der Entlassung am Freitag noch Samstag, Sonntag, Montag und Dienstag in die Klinik zur Blutabnahme mussten.

Nach Rücksprache mit den Ärzten und der Hebamme habe ich dann am Samstag, also einen Tag nach Entlassung aus der Klinik erstmals Aptamil Primergen zugefüttert. Die Angst, dass sich die Gelbsucht verschlimmern könnte, war einfach zu groß. Zudem wurde der Zustand meiner Brustwarzen immer schlimmer und teilweise war im Stillhütchen nicht nur Milch sondern auch Blut. Das Stillen viel mir das Wochenende immer schwerer und in der Brust sammelte sich Milch an.

Am Sonntag nach der Entlassung war die rechte Brust warm und schmerzte. Nach einem Telefonat mit meiner Hebamme fuhr mein Freund in eine Notfall-Apotheke und besorgte die Milchpumpe Symphony von Medela.

Am Montag kam die Hebamme vorbei und verordnete mir beim Anblick der Brustwarzen ein einwöchiges Stillverbot. So musste ich die ganze Woche abpumpen. Solange bis die Warzen verheilt waren. Obwohl es mir sehr leid tat, dass ich meinen Sohn nicht stillen konnte, klappte das mit dem Abpumpen alle zwei Stunden sehr gut. Durch das Zufüttern und Abpumpen ging nach ein paar Tagen auch der Bilirubin-Wert nach unten und die Gelbsucht verschwand.

Licht am Ende des Tunnels

Der Start mit dem Stillen ist bei mir also mächtig in die Hose gegangen. Leider konnte ich anhand der abgepumpten Menge nachvollziehen, dass sich meine Milchproduktion nicht so entwickelte, wie der Hunger meines Sohnes es tat. So musste ich weiter zufüttern. Am Anfang war es noch ein ordentlicher Anteil, der aber von Woche zu Woche weniger wurde.

Nach der Woche Zwangspause begann ich wieder mit Stillen. Aus Angst vor einer erneuten Verletzung blieb ich bei meinen Stillhütchen und verwende sie auch heute noch.

Die geringe Menge der Muttermilch habe ich in den letzten Wochen systematisch mit Stilltee, Bockshornkleekapseln und Agnus Castus C30 vermehrt, sodass ich heute fast nur stille. Nachts nehme ich ab und an noch Apatamil HAPre, aber das auch nur ausnahmsweise.

Was ich in den letzten Wochen gelernt habe

  • Bei vielen Frauen bestimmt sicher die Nachfrage das Angebot an Muttermilch. Aber eben nicht bei jeder geht die Milchproduktion automatisch nach oben.
  • In solchen Fällen helfen Stilltees oder homöopathische Mittel wie aktivierte Bockshornkleekapseln.
  • Die elektrische Milchpumpe ist Gold wert und hilft über Phasen hinweg, in denen Stillen nicht möglich ist, man aber die Milchproduktion trotzdem steigern möchte.
  • Gerade am Anfang sollte vorwiegend mit Stillhütchen gestillt werden. Diesen Rat hat mir auch meine Hebamme gegeben, leider kam er für mich zu spät.
  • Auch wenn man nicht voll stillen kann, sondern zufüttern muss, so ist das kein Grund sich als schlechte Mutter zu fühlen. Es kann anderen Müttern herzlich egal sein, ob in der Trinkflasche nun Aptamil oder abgepumpte Muttermilch ist. Eine gute Mutter definiert sich aus meiner Sicht nicht über „voll stillen“ oder nur „stillen“.
  • Relativ schnell damit beginnen auch außerhalb des Hauses zu stillen, z. B. im Park oder einem Cafe. Ich habe von Müttern gehört, die wochenlang nie länger als eine Stunde aus dem Haus gegangen sind, weil sich nicht draußen stillen wollten. Ich finde das schränkt nur ein und baut unnötig Ängste auf.
  • Haarbänder um den Arm helfen daran zu erinnern, mit welcher Brust man zuletzt gestillt hat.
  • Ein warmer Lappen auf die Brust fördert den Milchfluss.
  • Bei Bläschen auf der Brustwarze hilft vor dem Stillen bzw. Abpumpen ebenfalls ein warmer Lappen.
  • Stillen ist auch für die möglich, die während der Schwangerschaft ihre Brüste nicht abgehärtet haben.
  • Ich für meinen Teil kann nur jeder Schwangeren empfehlen, sich mit dem Stillen vor der Geburt auseinanderzusetzen, auch wenn es scheinbar so ein Selbstläufer-Thema ist.

Was mir zudem sehr geholfen hat, war ein Stillprotokoll. Dort habe ich jeden Tag eingetragen:

  • Uhrzeit des Stillens
  • Dauer des Stillens pro Brust
  • Ob Zufüttern notwendig war
  • Ob Stuhl oder Urin beim Wickeln vorhanden war

Ich habe es in Tabellenform in einem DIN A4 Block festgehalten und mir hat dieses Protokoll sehr geholfen. Zudem konnte auch meine Hebamme nachvollziehen, wie sich mein Stillverhalten entwickelt hat. Ich habe diese Protokoll gute 7 Wochen geführt und mich gefreut, dass der Anteil des Stillens permanent gestiegen ist und der Anteil des Zufüttern stetig gesunken ist.

Mittlerweile habe ich gesehen, dass es von Medela mit myMedela eine tolle App gibt, die sicher das Aufschreiben in einem Block hinfällig macht.

Heute freue ich mich, wenn ich meinen Sohn stillen kann. Die Schmerzen sind weg, die Milch fließt und ich hoffe, dass ich ihn noch einige Monate weiter stillen kann, denn so günstig und unkompliziert werde ich ihn wohl nie wieder ernähren können.

 

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3 Kommentare

  1. Frl. Null.Zwo · Oktober 7, 2014

    Phew!
    Doofer Start, das ist wohl war.
    Du hättest wohl früher mit Stillhütchen anfangen müssen, aber in der Regel ist das nicht so.
    Viele Babys gewöhnen sich sehr schnell an die Hütchen die und wollen dann nicht mehr ohne. Das ist schade, aber machbar.
    Bei meiner Tochter lief es trotz Hütchen super mit dem Stillen und Zunehmen.

    Lg!

  2. Lara · Oktober 7, 2014

    Ist doch schön, dass es jetzt besser klappt und du Unterstützung von der Hebamme bekommen hast. Ich denke es ist besonders wichtig sich Hilfe zu holen, um auch (unnütze) Gefühle von Versagen nicht aufkommen zu lassen.
    Ich mache mich da nicht verrückt, ich bereite mich soweit es geht auf’s Stillen vor und sollte es nicht klappen, dann wird eben (etwas) dazu gefüttert. Ich will meinem Baby keinen extra Stress zumuten und sollte es mit Fläschchen für uns alle besser klappen, dann ist das eben so. 🙂

    • Mareike Wueste · Oktober 8, 2014

      Das ist ein guter Plan. Habe gestern mit einer Mutter gesprochen, deren Tochter jetzt 10 Wochen alt ist und sie macht es genauso wie ich. Alles in allem haben wir alles probiert und nun unseren Weg gefunden, auch dank der Hebamme, gefunden. Ich wünsche dir alles Gute für dich und dein Baby.

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