Ich laufe den TCS New York City Marathon 2014 – 3 Monate nach der Entbindung


Es kam was kommen musste: Ich wachte auf und wusste, dass heute der 02. November war. Ein Datum, dass mich über ein Jahr begleitete und auf das ich mich doch nicht im geringsten vorbereiten konnte. Heute war der Tag der Tage und er begann schon sehr früh.

Der Weg zum Startgelände

Damit ich auch etwas vom Tag hatte, klingelte mein Wecker schon um 4:45 Uhr, da wir uns mit der Reiseagentur um 5:45 Uhr in der Lobby verabredet hatten, um dann um 6:00 Uhr Richtung Staten Island zu fahren. Nachdem ich mich von meinem Freund und meinem Sohn verabschiedet hatte, machte ich mich auf zur Lobby. Aus dem Fahrstuhl turkelten mir drei Leute entgegen, die wohl gerade von einer Motto Party kamen und mir im Fahrstuhl ne ordentliche Alkoholfahne hinterliessen. In der Lobby angekommen, war ich nicht die erste und es war schon richtig High Life mit den ganzen Läufern. Jetzt hieß es nur warten auf die Abfahrt. Um 6:10 Uhr fuhr unser Bus los Richtung Staten Island. Um 7:04 Uhr überquerten wir mit dem Bus die Verazzano Brücke, über die wir dann gleich nach dem Start wieder Richtung Brooklyn laufen mussten. Als wir am Startgelände ankamen, strömten schon tausende Läufer in Richtung ihrer zugeteilten Bereiche. Ich gehörte in den grünen Bereich, d. h. mir war es nicht vergönnt auf der Brücke zu laufen, sondern eine Ebene drunter.

Warten auf den Start

Warten auf den StartNachdem ich also in meinem Bereich angekommen war, lief ich erstmal rum, um mich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Natürlich habe ich mich dann auch gleich mal an der falschen Schlange angestellt und statt Kaffee hätte es dann nur heißes Wasser gegeben. Zum Glück habe ich es dann irgendwann doch gemerkt, bin zum Dunkin Donuts Stand und habe dort meinen Kaffee getrunken. Danach noch einen Bagel mit Rosinen und einen Powerbar Riegel und ich war bereit mir meinen Platz für die nächsten Stunden zu suchen. Das Wetter war sehr kalt und ich hatte mir eine alte Fleecejacke mitgenommen, die ich dann irgendwo auf der Strecke zurücklassen wollte. Trotz Fleecejacke und Sitzgelegenheit aus Plastiktüten war mir immer noch kalt. Ein Profiläufer, der sich neben mir für den Start fertig gemacht hat, schenkte mir seine Wärmefolie und die hat mich dann über die Stunden gerettet.

 

Der Start

Kurz vor dem StartIch war für die 4. und damit letzte Welle eingeteilt. Der Start dieser Welle war für 10:55 Uhr angesetzt, d. h. nach meiner Ankunft in Fort Wadsworth um 07:20 Uhr musste ich gute 3,5 Stunden überbrücken. Das klingt aber länger, als es wirklich ist, denn die ganzen Läufer zu beobachten, Kaffee zu holen oder auf die Toilette zu gehen, nimmt einiges an Zeit in Anspruch 🙂

Um die 72.000 Läufer zu koordinieren, gab es nicht nur vier Startwellen, sondern auch Corrals, die von A bis F gingen. Ich war in A eingeteilt und damit viel näher als jemand aus Corral C oder F. Um 10:15 Uhr fanden sich alle Läufer der 4. Startwelle an ihrem Corral ein, um 10:40 Uhr wurden die Corrals geschlossen und wir zum Start an die Verrazano Bridge geführt.

Pünktlich um 10:55 Uhr ging der Kanonenschuss los und zu „New York, New York“ setzte sich unsere Welle unter lautem Jubel endlich in Bewegung und für mich begann endlich die Erfüllung eines Traumes.

Meile 1 bis 10

Marathon Bild 1Die ersten zwei Meilen führten über die Verrazano Bridge, die längste freistehende Brücke in Amerika. Die Brücke ist der schwierigste Teil beim Marathon, da es erst 1,5 km stetig bergauf geht und dann wieder 1,5 km bergab. Die Strecke war zwar nicht ohne, aber da ich in Stuttgart gelebt habe, wusste ich, wie man Steigungen läuft. Nach dem wir die Brücke – mit einem einmaligen Ausblick aufs Meer und Manhattan geschafft haben, ging es nun die nächsten Meilen durch Brooklyn.

Marathon Bild 2Für mich war bei dem Marathon ja die Zeit nicht so wichtig, sondern das Erlebnis durch alle fünf Bezirke von New York zu laufen. Ich wurde schon in Brooklyn überrascht, denn ich wusste nicht, dass es dort so süße Häuser und schöne Straßen gibt. An der Straße standen die Anwohner und feuerten uns an, reichten uns Taschentücher, Bananen oder Kekse. Und so lief ich meine ersten 10 Meilen des New York Marathon

Meile 10 – 20

Marathon Bild 7Die Strecke durch Brooklyn zog sich ewig und ich fragte mich, ob das jemals ein Ende haben wird. Doch dann erreichte ich den Mc Guiness Blvd und damit die Brücke, die von Brooklyn nach Queens führte. Auf der Mitte der Brücke durchlief ich dann die Meile 13,1 und wusste, dass ich nun die Hälfte geschafft habe. Da ich ab Meile 10 Schmerzen im linken Bein hatte, bin ich ab da immer abwechselnd gewalkt, gelaufen, gewalkt, gelaufen. Selbst beim Walken habe ich immer noch Läufer überholt, wurde aber auch von vielen überholt.

Einige Läufer habe ich immer wieder gesehen, mal habe ich sie überholt, mal sie mich. Darunter war auch ein blinder Läufer, der mit seinem Hund die 26,2 Meilen lief.

Marathon Bild 19Nach dem ich eine Weile durch Queens lief, erreichte ich die Queensboro Bridge, die nach Manhattan führte. Hatte ich die Verrazano Bridge noch gut geschafft, bin ich bei der Queensboro Bridge fast gestorben. Die Brücke zog sich unendlich und selbst als es am Ende wieder bergab ging, tat mir alles weh. Zum Glück waren bei der Brücke Toiletten aufgestellt, bei denen die Läufer nicht anstehen mussten.Ich nutzte die Gelegenheit für eine kurze Pause und dann ging es in Manhattan auf die First Avenue Richtung Norden. Die Strecke zog sich von der 60. bis zur 126. Straße, danach ging es über die Willis Avenue Bridge in die Bronx.

Meile 20 – 26,2

In der Bronx erreichte ich nun Meile 20, mittlerweile tat mir nicht mehr nur die linke Beinhälfte weh, sondern auch die Schienbeine und Fußballen. Aber he, ich hatte schon 20 Meilen geschafft – nur noch 6,1 Meilen und ich bin Finisher des New York Marathon. Mittlerweile war ich mehr am walken als am laufen, aber das war mir egal.

Und so schleppte ich mich durch die Bronx, vergaß die Zeit und freute mich über die Zuschauer, die Musikbands und die Bananen, die wir nun bei jeder Meile bekamen.

Marathon Bild 14Nach einem kurzen Abstecher in die Bronx ging es wieder zurück nach Manhattan. Erst liefen wir durch Harlem und dann erreichten wir den Central Park. Gefühlt eine Ewigkeit liefen wir die Fifth Avenue runter, auf der rechten Seite der Central Park, auf der linken Seite Häuser. Langsam begann die Dämmerung, durch das Walken wurde mir kalt, da ich nur ein Laufshirt trug und der Wind durch die Straßen pfiff. Meine Füße schmerzten, meine Hände waren blau und ich verfluchte mich, weil ich meine Fleecejacke und meine Handschuhe schon bei den ersten 10 Meilen entsorgt hatte.

Auf Höhe des Guggenheim Museum ging es endlich in den Central Park und in Richtung Meile 24. Auch im Park waren noch jede Menge Zuschauer, doch die nahm ich kaum noch wahr. Die Zahl der Walker hatte nun stark zugenommen und so walkte ich in der Masse Richtung Meile 25, die sich ewig zog. Mittlerweile war es fast dunkel und arschkalt. Als ich den Kilometerpunkt 40 überquerte, wusste ich, dass es nur noch etwas über 2 Kilometer bis zum Ziel waren. Ich fing an zu überlegen, wie weit 2 Kilometer in München waren und versuchte mir einzureden, dass das nur noch ein Furz ist, den ich laufen muss.

Marathon BIld 15Als ich endlich Meile 25 durchquert hatte, fing ich wieder an zu laufen. Ich hatte noch die Ausdauer und weh tat es beim laufen auch nicht. Also lief ich, soweit ich konnte, dann walkte ich wieder ein Stück und lief dann wieder. Ich wollte jetzt einfach nur noch ins Ziel kommen. Bald erreichte ich den Punkt, der anzeigte, dass es nur noch 800 m sind. Nur noch 800 m bis zum Ziel und zur Erfüllung meines Traums. Ich habe nur gedacht „Bau jetzt keinen Scheiß, Mareike. Kein Stolpern, kein Umknicken, nichts, was dich jetzt noch vom Zieleinlauf abhalten könnte“.

IMG_9071Mittlerweile erreichten wir die Parallelstraße zur 58. Straße, dann den Columbus Circle und liefen danach wieder Richtung Norden, nun waren es nur noch 400 m, es kam noch eine Abbiegung und dann wieder eine Kurve. Langsam fingen alle Walker wieder an zu laufen und auch ich lief wieder. Dann sah ich die Finish Line und wusste, dass ich es geschafft habe. Zwar nicht mit der letzten Kraft, aber doch sehr erschöpft überquerte ich die Finish Line.

Ich hatte es also wirklich geschafft und bekam hinter der Finish Line erst meine Medaille, dann meine Wäremfolie und schliesslich den Proviantbeutel. Noch nie hatte ich mich so sehr über einen Apfel gefreut.

Nun musste ich nun noch meine, vor dem Start abgegebenen Sachen beim UPS Wagen abholen und dann ging es Richtung Hotel. Der Weg zurück aus dem Central Park zog sich ewig und ich musste 15 Querstraßen laufen. Irgendwann sah ich einen Rikscha-Fahrer und beschloss mit ihm zum Hotel zu fahren. Die Fahrt hat mich 55 Dollar gekostet und war jeden Dollar wert.

IMG_9093Ich kam als Finisher des New York Marathon wieder zurück ins Hotel und freute mich einfach nur, dass ich es geschafft hatte und nun wieder bei meinem Freund und meinem Sohn war.

Mit diesem Tag ging für mich trotz der schwierigen Voraussetzungen (drei Monate nach der Geburt meines Sohnes und ohne jegliches Marathon Training) ein Lebenstraum in Erfüllung. 🙂

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2 Kommentare

  1. CarrieW · November 4, 2014

    Ganz ganz großartig 🙂 Größten Respekt vor der Leistung

  2. Fräulein Sonnenschein · Dezember 24, 2014

    Krass … ich finde es im positivsten Sinne echt hetfig, nach drei Monaten einen Marathon zu laufen! Respekt und Hut ab von mir 🙂

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