Nepomuks Taufe: Mein Wiedereintritt in die evangelische Kirche


Hätte mir jemand vor 1,5 Jahren gesagt, dass ich mal in einem Pfarramt sitze und meinen Wiedereintritt in die Kirche regle. Ich hätte es nicht geglaubt. Tja, und nun saß ich am 9. Dezember 2014 im Pfarramt St. Johannes in einem winzig kleinen Raum und habe mit dem Pfarrer über meinen Wiedereintritt gesprochen.

Wiedereintritt deswegen, weil ich früher in der Kirche war und in Stuttgart ausgetreten bin. Der Pfarrer konnte mich verstehen, denn die baden-württembergische Kirche ist eine eher schwierige Kirche. Ich selbst war in meiner Heimatstadt Frohburg aktives Mitglied der Kirche. Ich wurde getauft (noch zu DDR-Zeiten), hatte Konfirmation, war in der jungen Gemeinde und spielte die Maria im Krippenspiel. Als ich mit 17 von Frohburg nach Stuttgart zog, entfernte ich mich auch von der Kirche. Die in Stuttgart habe ich nie besucht und zuhause war ich nur selten. Wenn ich in die Kirche ging, dann nur an Heilig Abend. Ich hatte den Bezug zur Kirche verloren und war der Meinung, dass ich für meinen Glauben kein Geld zahlen musste. Ich glaube noch heute, dass es Gott egal ist, wer in der Kirche ist und wer nicht.

Und trotzdem bin ich wieder eingetreten. Warum?

Weil wir möchten, ja der Papa hat natürlich auch eine Stimme, dass Nepomuk getauft wird und frühzeitig christliche Werte vermittelt bekommt. Ich muss dazu sagen, dass ich evangelisch-lutherisch bin und mein Freund katholisch. Wir hatten also die Wahl zwischen katholisch und evangelisch. Da ich die katholische Kirche als absolut weltfremd und teilweise beschämend empfinde und auch mein Freund keinen Spaß in der katholischen Kirche, waren wir uns schnell einig, dass der Kleine evangelisch wird. Die evangelische Kirche ist mir näher und nicht so überdreht wie die katholische. Der Pfarrer in unserer Gemeinde in München ist verheiratet und hat drei Kinder. Er weiß also um die Bedürfnisse von Eltern, wie soll das den bitte ein katholischer Priester wissen? Zudem würde ich keine ruhige Minute haben, wenn ich wüsste, das mein Sohn irgendwo als Messdiener arbeitet. Die katholische Kirche hat in den letzten Jahren in meinen Augen ein erbärmliches Bild abgegeben.

Und so hatte ich nun gestern mein Gespräch mit dem evangelischen Pfarrer Forrsman. Wir sprachen über meinen Austritt, regelten den Wiedereintritt, unterhielten uns über die Gemeinde und die Kirche. Er hat mir viele Infos bezüglich der Kirche und deren Mitglieder gegeben. So weiß ich nun, dass:

  • Die Gemeinde sehr jung ist. Der höchste Punkt in der Altersverteilung liegt bei 35 Jahren
  • Die Gemeinde orientiert sich sehr an jungen Familien mit Kindern
  • Es gibt Krabbelgruppen, Mini-Gottesdienste für die ganz Kleinen, Kindergottesdienste für die Größeren, Elternsingen und betreute Krabbelgruppen in denen man das Kind auch mal für ein paar Stunden „abgeben“ kann.
  • Als Eltern von Kleinkindern kann man auch am normalen Gottesdienst teilnehmen. Neben dem Kirchenschiff gibt es einen separaten Raum mit Spielecke. Den Gottesdienst können die Eltern dann über Lautsprecher und durch eine Glaswand verfolgen und nebenbei mit anderen Eltern sprechen
  • Nach jedem Gottesdienst gibt es ein Kirchencafé

Die Kirche selbst weicht in ihrem Aufbau und der Gestaltung von der Kirche in Frohburg etwas ab:

  • Die Bänke wurden entfernt, stattdessen gibt es nun Stuhlreihen im Kirchenschiff. Das macht die Kirche beweglicher, denn dort gibt es oft Konzerte oder Tanzveranstaltungen. Auf mein Nachfragen, was man in einer Kirche tanzen kann, lächelte der Pfarrer und erklärte mir, dass es ein meditativer Tanz sei. Ich habe immer noch das Bild vor mir, wie Frauen ihre langen, grauen Haare im nicht vorhandenen Wind wehen lassen und ihre Körper in bunte Baumwollkleider gewickelt haben.
  • Das Kirchenschiff ist umgeben von mehreren Räumen, die mit Glaswänden abgetrennt sind. In einem Raum finden Meditationen statt, im anderen können die Eltern mit ihren Kindern den normalen Gottesdienst verfolgen oder im Anschluss an den Gottesdienst wird gemeinsam Kaffee getrunken.
  • Der große Altar ist verschwunden, der moderne kleinere Altar ist näher an die Gemeinde gerückt
  • Die Kirche selbst ist knapp 100 Jahre alt und wurde in den 80ern umgebaut, um sie eben flexibel zu gestalten und die Gemeinderäume

Obwohl ich die Kirche im Sommer auf den ersten Blick nicht so toll fand, bin ich doch nun überzeugt, dass es der richtige Platz für die Taufe von Nepomuk ist. Ach, zum Thema Nepomuk: Der Pfarrer erzählte mir, dass es auf einer Brücke an der Isar eine Nepomuk Statue gibt. Nepomuk ist schließlich der Schutzpatron der Brücken. Er fand es toll, dass wir so einen bayrischen Namen gewählt haben und meinte, der würde gut zu München passen. Finden wir auch. 🙂

Ich freue mich schon auf die Taufe von Nepomuk im März 2015 in der St. Johannes Kirche in München. Vorher werden wir aber den Kindergottesdienst am 24. Dezember besuchen. Dieser sei perfekt für unsere kleine Familie meinte der Pfarrer.

 

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Ein Kommentar

  1. Larissa//No Robots Magazine · Dezember 11, 2014

    Kurz vorweg: Ich respektiere deine Entscheidung, auch wenn ich sie nicht teilen kann. Jeder soll seinen Glauben ausleben, wie es für ihn richtig ist (so lange er tolerant bleibt). Ich verstehe nur nicht ganz, warum man getauft sein muss, um christliche Werte vermittelt zu bekommen? Für mich sind das nämlich im Grunde Werte des gesunden Menschenverstandes, die jeder seinem Kind vermitteln kann (oder könnte). Na ja, möglicherweise bin ich auch gebranntes Kind. Die Werte, die ich als Kind von der Kirche vermittelt bekommen habe, waren in etwa: „Du lässt Satan in dein Herz, wenn du Rockmusik hörst“ oder „Du kommst in die Hölle, wenn du ‚Harry Potter‘ liest“. Das macht mich vielleicht etwas übersensibel. 😉

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