Blog-Parade: Eltern werden – Paar bleiben


Als Neu-Mama freue ich mich immer darüber, wenn es Blog-Paraden gibt, bei denen ich auch schon mitreden kann. Top-Elternblogs hat mit dem Thema „Eltern werden – Paar bleiben“ glücklicherweise gerade so eine Blog-Parade gestartet. Für mich auch der ideale Zeitpunkt um gut 4,5 Monate nach der Geburt meines Sohnes nochmal zurückzuschauen – auch bis weit vor die Geburt, denn wenn man erzählen möchte, was sich mit dem Elternwerden geändert hat, muss man logischweise auch kurz erzählen, wie das Paarsein vor der Geburt war. Bevor ich mich also den Fragen widme, ein kurzer Review über uns als Paar:

Wer wir waren
Mein Freund und ich haben uns Ende April 2013 kennengelernt und waren seit Juni 2013 ein Paar. Unser gemeinsamer Sohn kam im August 2014 auf die Welt. Die Zahlen- und Rechengenies unter euch werden es schnell gemerkt haben: Eine intensive Kennenlernzeit und ein langsamer Aufbau der Familie war nicht wirklich drin, aber das war auch nicht nötig, denn wir haben uns blind verstanden.

Ich selbst war damals Community Manager bei der Freizeitcommunity Spontacts und wollte alles machen nur keine Familie gründen. Mir waren Flexibilität und Unabhängigkeit immer wichtiger als tiefe Verbindungen. Ich mochte schnelle und oberflächliche Bekanntschaften, weil ich nie tiefe und langjährige Freundschaften pflegen konnte. Mit meinem Freund verreiste ich gern, wanderte oft am Wochenende oder wir gingen abends aus. Wir lebten sehr spontan und entschieden meist aus dem Bauch heraus auf was wir Lust hatten. Wir genoßen unser unabhängiges, tolles und selbstbestimmtes Leben. Und dann wurde ich schwanger. Unser Baby wurde im August geboren und mit der Geburt begann für uns ein ganz neues Leben.

Was hättet ihr so nicht erwartet?

In der Schwangerschaft hatte ich mir das Leben nach der Geburt so harmonisch und entspannt vorgestellt. Das mich die Liebe zu meinem Sohn über jedes Tal der Tränen trägt, dass ich erschöpft aber glücklich  erst den Kreißsaal, dann die Wochenbettstation und dann schließlich das Wochenbett verlasse. Das mein Sohn 90 % der Zeit schläft und 10 % für die natürlichste Sache der Welt, das Stillen, verwendet. Das ich mich langsam in die Rolle der Mutter finden kann.

ALLES BULLSHIT. Ich wurde überrollt von einem Vierzigtonner vollgepackt mit der unverhohlenen, knallharten Realität!

Ich hätte nicht erwartet …

  • Das mein sehr „Ich-bezogenes“ Leben sich plötzlich zu einem sehr „Baby-bezogenen“ Leben entwickelt.
  • Das der Moment der Geburt und die Minuten danach nicht die allerschönsten in meinem Leben sein werden.
  • Das Geburt und „Mutter sein“ sehr viele Baustellen und Selbstzweifel mit sich bringen und das leider auf die Beziehung schlägt.
  • Das das Selbstwertgefühl plötzlich an eine elektronischen Milchpumpe gekoppelt ist und ich mich meinem Mann gegenüber dafür schäme.
  • Das das Selbstwertgefühl irgendwann so egal ist, dass ich vor den Augen des Mannes die elektrische Milchpumpe benutze.
  • Das mir klar wird, dass ich von einer MILF Lichtjahre entfernt bin und aktuell soviel Sex-Appeal habe, wie eine Mülltonne.
  • Das mein Freund in den ersten zwei Wochen, als er Urlaub hatte, die Direktverbindung zwischen mir und der Apotheke war.
  • Das die Hebamme neben der Säuglings- und Mutterpflege auch als Paartherapeutin herhalten könnte
  • Ich hätte nicht erwartet, dass wir mal getrennt zu Bett gehen.
  • Ich hätte nicht geglaubt, dass wir kaum noch Zeit füreinander haben und alles schnell, schnell gehen muss
  • Ich hätte nicht erwartet, dass wir alles um den Kleinen herum planen müssen. Hat doch jeder gesagt, so ein kleines Baby kann man überall mit hinnehmen.
  • Ich hätte nicht gedacht, wie sich Schlafmangel auf partnerschaftliche Bedürfnisse auswirkt.

Inwiefern hat das Elternsein die Beziehung zu Partner oder Partnerin verändert?

Das ein Kind die Beziehung der Eltern (Oh Gott, ich schreibe schon Eltern und nicht Paar!) verändert, war mir zwar klar. Aber nicht in welcher Geschwindigkeit und in welcher Intensität.

Der Anfang war besonders hart für mich. Als Mutter ständig das Gefühl zu haben, dass man es mit dem Baby nicht richtig macht, das alle es mit dem Stillen hinbekommen nur ich nicht. Das ich anfangs Berührungsängste gegenüber meinem eigenen Kind hatte. Das alles hat sich auf unsere Beziehung ausgewirkt. Ich war sehr dünnhäutig und aggressiv. Ich konnte nicht mit den Tipps und Ratschlägen meines Freundes umgehen. Ich fühlte mich bevormundet. Unsere Beziehung war immer sehr harmonisch. Wir hatten nie Grund zum Streit und waren immer einer Meinung. Keine hatte das Gefühl zurückzustecken.

Mit der Geburt unseres Sohnes zogen die ersten Wolken auf. Ich war genervt, wenn er mir Tipps gab, wie ich unseren Sohn zu halten hatte oder wie ich ihn zum Schlafen bringen konnte. Er war genervt, wenn ich mal wieder irgendwo was gelesen hatte und deswegen unentspannt war.

Wir rieben uns irgendwann an Kleinigkeiten und das war wirklich schlimm für mich. Ich fand, dass wir kein Paar mehr waren, sondern nur eine funktionierende Einheit, deren Mittelpunkt sich Richtung Kind verschoben hatte.

Gott sei Dank dauerte dieser Zustand nur wenige Wochen. Heute sind wir ein eingespieltes Team. Jeder hat seine Stärken und Schwächen und der Kleine hat das gnadenlos offengelegt. Wir haben für uns einen Weg gefunden, wie wir uns unser Leben mit Baby schön gestalten. Wir integrieren den Kleinen in unser Leben und tun dabei alles für den Kleinen, damit es ihm gut geht. Hier ein paar Beispiele, wie wir den Sprung vom Paar zu Eltern geschafft haben – ohne uns selbst aufzugeben:

  • Wir sind mit dem Kleinen im Alter von knapp 3 Monaten nach New York geflogen, damit ich meinen Marathon laufen konnte.
  • Wir gehen essen oder auf Geburtstagsfeiern und nehmen den Kleinen einfach mit. Dank Rauchverbot in den Kneipen und Restaurants geht das super.
  • Wir machen wieder unsere Ausflüge und verbinden das mit großen Spaziergängen mit Nepomuk. Nächstes Jahr geht es mit Kind und Kinderwagen in die Berge.
  • Wir suchen gezielt Veranstaltungen, wo es mit Kinderwagen einfach wird. Das war im Sommer einfacher als jetzt im Winter, aber es geht.
  • Wir teilen unsere Reisevorbereitungen auf. Ich bin immer für den Kleinen und das notwendige Equipment zuständig, während mein Freund die Route raussucht oder die Sachen ins Auto trägt.
  • Wir widmen das Wochenende nur unserer Familie und kümmern uns beide intensiv um den Kleinen.
  • Unter der Woche bin ich tagsüber für den Kleinen zuständig, abends aber bringt der Papa ihn ins Bett.

Was hat uns niemand im Voraus gesagt?

Die Leute sind ja meistens ganz groß dabei ungefragt Ratschläge und Tipps rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu verteilen. Was ein Kind für die Beziehung bedeutet, dass hat uns niemand gesagt.

Uns war nicht klar,

  • dass man mit der Geburt dank Schlafmangel und emotionalem Stress den Partner nochmal neu kennenlernt.
  • dass selbst die harmonischste Beziehung ins Wanken kommt, wenn so ein kleines Energiebündel auf die Welt kommt.
  • dass der Kleine die ungeteilte Aufmerksamkeit fordert und der Partner den Tribut zahlen muss
  • dass neben den vielen körperlichen Wehwehchen auch noch die emotionalen hinzukommen.

Uns war aber auch gerade am Anfang nicht bewusst,

  • dass alles nur eine Frage der Eingewöhnung ist
  • dass man alles gemeinsam schaffen kann, wenn man nur möchte
  • dass es zu dritt viel schöner ist als zu zweit
  • dass ein Kind eine Bereicherung fürs Leben ist, deren Wert sich nicht messen lässt
  • dass es nichts schöneres gibt, als das Wochenende als kleine, verschmuste Familie zu verbringen
  • dass es für die Liebe zu seinem Kind keine Worte gibt, die dieser Liebe gerecht werden

Was war das Schönste am Elternwerden?

Das Schönste am Elternwerden war definitiv, dass wir das Glück eines eigenen, gesunden, schönen, liebevollen Kindes erleben dürfen. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten, die sich aufgrund der neuen Situation ergeben, haben wir uns schnell als Familie eingelebt.

  • Es ist wunderschön, wenn man abends ins Schlafzimmer kommt und ein kleines Paket schmatzt schlafend vor sich hin.
  • Es ist unbezahlbar, wenn der Papa am Sonntagmorgens im Pyjama am Küchentisch sitzt, den Kleinen füttert und mit ihm Grimassen macht.
  • Es ist wunderschön den Sonntag bei schlechtem Wetter auf der Couch zu verbringen und dem Kleinen beim Spielen zuzuschauen.
  • Es ist toll den Partner mit einem leckeren Essen zu verwöhnen, anstatt immer nur Essen zu gehen.
  • Es ist schön, den Papa im Büro zu besuchen oder ihn abends dort abzuholen
  • Es ist wunderbar zu wissen, dass es zwei Menschen gibt, die mit dir ein Leben lang verbunden sein werden.

Ich denke, wenn man ein Paar bleiben möchte, dann reicht es nicht aus, dass man regelmäßig ins Kino geht oder jeden Abend Sex hat. Ich glaube, dass man einfach seine Ziele im Leben verfolgen sollte und den Partner in seinen Zielen unterstützt. Mein Lebenstraum war der New York Marathon. Ich bin ihn am 02. November 2014 gelaufen. Drei Monate nach der Geburt. Wir haben diesen Traum zu dritt durchgezogen und haben uns von der mehr als skeptischen Umgebung nicht irritieren lassen. Uns als Paar hat diese Reise so viel gegeben und gezeigt, dass man vielleicht nicht immer spontan etwas machen kann, aber definitiv kann man mit etwas Vorlauf das Leben leben, dass einem vor der Geburt so wichtig war und das Kind wird einfach ein Teil davon.

Auch wenn der Anfang schwer war und wir nie wieder so ein selbstbestimmtes Leben haben werden, so bin ich doch froh, wie sich das alles entwickelt hat. Ich vermisse weder das viele Feiern noch das tägliche Ausgehen. Wir haben unseren Weg gefunden und vermissen beide nichts. Wir lieben den Kleinen abgöttisch und würden alles für ihn tun, außer uns als Paar zu vergessen.

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Ein Kommentar

  1. Larissa//No Robots Magazine · Dezember 16, 2014

    Ich vermute, dass sich die Beziehung ändert, hat keiner gesagt, weil manche Sachen davon für Durchschnittseltern, die schon ein paar Jahre zusammen sein, keine große Sache sind. 😉 Auf der anderen Seite kann ich gut verstehen, dass es irritierend ist, wenn man so plötzlich aus der Rosa-Phase gerissen wird. Dafür ist so ein emotionaler Stress doch auch ein wunderbarer Test, zu überprüfen, wie gut man miteinander klarkommt. Das habt ihr ja gut gemeistert. 🙂 (Andererseits wäre es auch ziemlich doof, wenn nicht.)

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